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Personen, Algorithmen, Öffentlichkeiten – Wie machen wir mit Menschen und mit Maschinen Politik?

Algorithmen gestalten und steuern nicht nur viele neue Kommunikationsformen, sondern treten dort auch längst als Kommunikationspartner auf: Unter anderem an der Börse, im predictive policing, in Sprachsteuerungen und als Chat Bots und Social Bots mit und ohne Täuschungsabsichten. Wie verändern sich Öffentlichkeiten durch die Vermischung menschlicher und programmierter Akteur_innen? Und was bedeutet das für die Rahmenbedingungen, unter denen wir öffentlich Interessen und Standpunkte aushandeln und unsere Meinungen bilden: was bedeutet es für die medialen Bedingungen unserer Demokratie?

Die Reihe Personen, Algorithmen, Öffentlichkeiten setzt sich aus verschiedenen Perspektiven mit aktuellen Phänomenen der gemischten menschlichen und maschinellen Kommunikation auseinander. Dabei spielen unter anderem Social Media und Messengerdienste eine wesentliche Rolle, da sie zu wichtigen Plattformen für politische Auseinandersetzungen geworden sind. Die fragliche Zukunft von Twitter mit und ohne Elon Musk als neuem Eigentümer, aber auch Facebook, Instagram und TikTok, ebenso wie Google haben eine erhebliche Auswirkung auf die öffentliche Auseinandersetzung und damit auf das politische Leben in einem Land.

Die gemeinsam mit WDR3 veranstalteten Podien bringen Stimmen aus Wissenschaft, Journalismus und Praxis mit einem interessierten Publikum zusammen. Interessierte Teilnehmende sind zum Zuhören und zur Diskussion im Anschluss herzlich eingeladen!

 

1. Rede ich mit einem Menschen oder einer Maschine? Und ist es mir überhaupt wichtig?    

Donnerstag, 27.04.2023, 18 Uhr
Kleiner Sendesaal des WDR, Funkhaus Wallrafplatz, Köln.  

Ob ein Mensch im Gespräch einen anderen Menschen von einem Computer noch sicher unterscheiden könne, galt vor einem halben Jahrhundert noch als Prüfstein für ‘echte’ künstliche Intelligenz: Erfolgreich programmiert sei sie, wenn sie Menschlichkeit vortäuschen könne. Heute wird teilweise behauptet, fortgeschrittene Maschinen könnten diesen berühmten Turing-Test bestehen. Aber noch wichtiger ist vielleicht die Entwicklung, dass wir in vielen Situationen die Frage nicht mehr oder nicht mehr so einfach stellen. Kinokarten und Arzttermine werden mit Konversationssystemen gebucht, während menschlich besetzte Help Desks sich an feste Gesprächsabläufe halten. In sozialen Medien greifen automatische und menschliche Moderation ineinander, wenn Posts gesperrt, gelöscht oder wiederhergestellt werden. Auf lokalen und internationalen Märkten interagieren menschliche Wirtschaftssubjekte (Anleger_innen, Käufer_innen, etc.) mit automatisch festgelegten Preisen, Käufen und Verkäufen. Habe ich die Textnachricht: “Ich kann gerade nicht telefonieren!” selbst geschrieben, wenn der Algorithmus sie mir kontextsensibel und blitzschnell vorformuliert hat? Umso dringender müssen wir fragen: Wann ist uns die Unterscheidung noch wichtig? Wie weit wollen wir automatisierten Gesprächspartner_innen vertrauen? Warum ist es ein politischer Vorwurf, die Gegenseite setze Social Bots ein, um ihre Position zu vertreten? Und was unterscheidet eigentlich unheimliche Roboter und Gesichtsanimationen von künstlichen Freunden und lebendigen Gegenübern?

 

2. Automatische Kommunikation und der politische Alltag in der Bundesrepublik

Mittwoch, 31.05.2023, 18 Uhr
Kleiner Sendesaal des WDR, Funkhaus Wallrafplatz, Köln.  

Kommunikation in algorithmischen Umgebungen wirft viele neue Fragen über politische Meinungsbildung auf. Bots können den irreführenden Anschein erwecken, dass Politiker_innen mehr Follower in sozialen Medien haben, und dadurch größeren Einfluss verschaffen. Empfehlungssysteme beeinflussen, welche Inhalte wieviel Aufmerksamkeit bekommen. Likes an einem Beitrag beeinflussen seine weitere Rezeption und Verbreitung. Falsche Nachrichten verbreiten sich manchmal schneller in sozialen Medien als wahre.

Führt Kommunikation in algorithmischen Umgebungen zu Herdenverhalten und Informationskaskaden? Bewirkt die Personalisierung von Inhalten auf sozialen Medien und Suchmaschinen zu Filterblasen und zu politischer Polarisierung? Welche Möglichkeiten zu gezielt adressiertem Wahlkampf, aber auch zur Irreführung ergeben sich? Steigt die Volatilität politischer Kampagnen und Entscheidungsprozesse? Profitieren tendenziell extremere Parteien oder Positionen besonders stark von solchen Veränderungen der politischen Kommunikation?

In diesem Podium wollen wir diskutieren, wie Algorithmen die politische Meinungsbildung in der Öffentlichkeit und politische Entscheidungen beeinflussen. Es geht erstens um eine Bestandaufnahme: welche Chancen und Risiken gibt es, welche kommen auf uns zu (deep fakes?)? Welche Bedrohungen werden überschätzt, welche Herausforderungen sind bisher in der öffentlichen Diskussion unterbelichtet?

Zweitens wollen wir darüber sprechen, welche Akteure diesen Herausforderungen entgegentreten sollten. Welche Rolle kommt den Bürgern, soziale Medien, Nachrichtenmedien, der Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft zu? Wie steht es um deren Handlungsmöglichkeiten und Spielräume, welche Verantwortung tragen sie jeweils?

 

3. Copyright, Datenschutz, Digital Service Act: Welche Regeln sollen für Algorithmen gelten?

Donnerstag, 15.06.2023, 18 Uhr
Kleiner Sendesaal des WDR, Funkhaus Wallrafplatz, Köln.  

Wie kann ich meine Daten und mein geistiges Eigentum schützen? Wer schützt mich vor anonymem Hass online? Bin ich auf sozialen Medien vor Zensur geschützt? Die Bedürfnisse und Interessen, die in den Streit um Regulierungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten für neue vernetzte Kommunikationsformen getragen werden, sind vielfältig und scheinen oft widersprüchlich. Beklagen die einen einen ‘rechtefreien Raum’ im Internet, fürchten die anderen eine Wut an neuen Regulierungen, die die Onlinekommunikation zu einer grundrechtefreien Erfahrung machen könnten – nicht nur, weil manche Regeln kontrovers sind, sondern weil selbst bei allgemein erwünschten Regeln unklar bleibt, wie sie technisch umgesetzt werden können. Die riesige Zahl und hohe Geschwindigkeit, mit der Kommunikationen online zirkulieren, macht den Einsatz von automatischen, algorithmischen Verfahren auch bei der Implementierung von Gesetzen, Richtlinien und Wertvorstellungen unerlässlich. Aber wer übernimmt die Verantwortung für deren Handeln? Welches Vertrauen können die betroffenen User_innen zu undurchsichtigen automatisierten Entscheidern entwickeln? Und welches Verhalten, welche Instrumentalisierungen von Algorithmen zwischen Bots und Streams bedarf selbst der Regulierung? 

 

Mehr Informationen auf der Webseite des Wissenschaftsforum zu Köln und Essen