zum Inhalt springen

Kultivierung in Serie

Kulturelle Adaptionsstrategien von fiktionalen Fernsehserien

Die zentrale Frage lautet: Warum und wie werden fiktionale Fernsehserien aus anderen kulturellen Kontexten für einen heimischen Markt angepasst?

Die Frage nach dem Warum beantwortet im Einklang mit anderen Erklärungsansätzen das beschreibende Konzept der cultural proximity von Joseph Straubhaar.

Die unterschiedlichen Formen der Programmbeschaffung erfordern unterschiedliche Anpassungsleistungen. Neben Importen und Koproduktionen rücken vor allem Formatadaptionen ins Zentrum der Betrachtung.

Da Formatadaptionen in der medienwissenschaftlichen Forschung bisher, wenn überhaupt, nur in Verbindung mit den Formaten des Reality TV untersucht wurden, schließt diese Arbeit eine Lücke hinsichtlich der fiktionalen Formatadaptionen. Deren Spezifika werden im kaleidoskopischen Diskursfeld von Wirtschaft, Recht und Wissenschaft herausgearbeitet sowie eine Einordnung in die (bundes-)deutsche Programmgeschichte vorgenommen und ihre Relevanz für Recht, Handel, Produzenten und Rezipienten aufgezeigt.

Um die zweite Frage nach der Umsetzung der Adaptionsstrategien zu beantworten, wurde das cultural proximity-Konzept modifiziert und dergestalt als Analyseinstrument eingesetzt.

Historisch wird die Notwendigkeit der kulturellen Adaption fiktionaler Serien mit dem Aufkommen des Feuilletonromans Mitte des 19. Jahrhunderts verortet. Am Beispiel der zahlreichen Fassungen von Les Mystères de Paris von Eugène Sue, einschließlich einer Mikroanalyse von Die Geheimnisse von Berlin und The Mysteries of London, werden die zeitgenössischen Anpassungen untersucht und mit heutigen verglichen.

Die Anpassungsleistungen aktueller Formatadaptionen werden exemplarisch an zwei Beispielen betrachtet: Für europäisch zirkulierende TV-Formate steht die italienische Serie R.I.S. – Delitti Imperfetti. In Form einer mikroanalytischen Untersuchung werden die deutsche Version R.I.S. – Die Sprache der Toten und die französische Fassung R.I.S. Police Scientifique miteinander verglichen sowie deren Rezeption in den jeweiligen Ländern, die anhand von Pressekritiken und Userkommentaren ausgewertet wird. Stellvertretend für ein global zirkulierendes Format stehen die bisher 18 realisierten Formatadaptionen der kolumbianischen Telenovela Yo soy Betty, la Fea. Analysiert und konfrontiert wird die Verbreitung u.a. von Ugly Betty und Verliebt in Berlin.

Bei dem Projekt handelt es sich um die Dissertation von Tanja Weber.